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Römerstraßen, Albert Einstein und die Machtkämpfe im Nationalsozialismus - Neuer Doppelband der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte erschienen

 

Zwei bisher unbekannte römische Straßen im Bereich des Kastells Mengen-Ennetach hat Dr. Stefan Wintermantel entdeckt. Seine Entdeckungen stellt er in dem jüngst erschienen Doppelband 57/58 der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte vor. Wintermantels Aufsatz ist einer von sieben Beiträgen in dem 384 Seiten umfassenden Doppelband, der im Buchhandel für 39 Euro erworben werden kann. Mitglieder des Hohenzollerischen Geschichtsvereins erhalten die Zeitschrift als kostenlose Mitgliedsgabe.

Mit Hilfe neuer Forschungsmethoden gelingt es Wintermantel, die verkehrsmäßige Erschließung unseres Raumes in römischer Zeit neu zu erfassen und den Kenntnisstand über das römische Straßennetz zu korrigieren und zu vertiefen. Die beiden neu entdeckten Römerstraßen, von denen er auch Spuren im Gelände gefunden hat, führten vom Kastell Mengen-Ennetach nach Süden zum Bodensee und nach Westen in Richtung des römischen Gutshofs „Altstadt“ bei Meßkirch.

Nachdem Jürgen Scheff im vorangegangenen Doppelband der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte den ersten Teil seiner Forschungen zu den Eginonen, Welfen und Zollern publiziert hat, stellt er nun im zweiten Teil Überlegungen zu verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Grafen von Urach, von Vaihingen und von Zollern im Hochmittelalter an. Indem er die vorliegenden Quellen neu auswertet und interpretiert, gelingt es dem Verfasser, auf genealogische Zusammenhänge zwischen den genannten Adelshäusern aufmerksam zu machen.

Das Kloster Beuron vor dessen barocker Umgestaltung im Jahre 1694 ist Gegenstand einer Studie von Lothar Gonschor. Der Autor kann erhaltene Maßwerkteile der Vorgängerbauten aus spätgotischer Zeit in Details der Fensterdarstellungen im sogenannten „Gründungsbild“ des Klosters Beuron identifizieren und somit nachweisen, dass dieses Ölbild ein „authentisches Dokument des historischen Zustands“ der Klosteranlage vor der Umgestaltung ist.

Breiten Raum nimmt die Zeitgeschichte ein: Am Beispiel von Albert Einstein und seiner Hechinger Verwandtschaft zeigt der Beitrag von Dr. Christof Rieber jüdische Familiensolidarität auf und stellt die Aufenthalte Albert Einsteins und seiner zweiten Ehefrau Elsa in Hechingen vor, der Geburts- und Heimatstadt von Elsa. Rieber kann detailliert die Aufenthalte des Ehepaars Einstein in Hohenzollern belegen und geht auf die vier Besuche Albert Einsteins bei seinem Freund Camillo Brandhuber in Benzingen ein, der dort katholischer Pfarrer war. Die beiden kannten sich aus Berlin, wo Brandhuber von 1908 bis 1918 als Zentrumsabgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus für den Wahlkreis Sigmaringen saß. Neben persönlicher Sympathie verband beide Übereinstimmungen in grundlegenden Überzeugungen, so waren sie beide Gegner der Monarchie.

Dr. Michael Walther untersucht die innerörtlichen und innerparteilichen Machtkämpfe in den kleinen hohenzollerischen Gemeinden Thanheim und Steinhofen (Bisingen) bei Hechingen, die 1933 in der Frühphase des Nationalsozialismus stattfanden. Einige der Beteiligten wurden gar vorübergehend im KZ Heuberg bei Stetten am kalten Markt inhaftiert, darunter sogar ein Mitglied der NSDAP und SA. Bei den Verhaftungen von sechs Männern aus Thanheim und Steinhofen am 12. September 1933 ging es nicht um die Ausschaltung von Regime-Gegnern durch SA-Einheiten, sondern um die Verfolgung persönlicher Interessen der beiden NSDAP-Stützpunktleiter und Lehrer Max Klaiber und Franz Xaver Wannenmacher sowie des SA-Sturmbannführers und „NS-Mulitfunkionärs“ Vinzenz Stehle aus Bittelbronn. Die Verhaftungen stellten eine unzulässige Grenzüberschreitung dar. Noch im Oktober 1933 wurde beschlossen, die beiden Lehrer ihrer Ämter als NSDAP-Stützpunktleiter zu entheben, und als Lehrer wurden sie strafversetzt. Dagegen taten die Vorkommnisse der NS-Karriere Stehles keinen Einbruch. Und obwohl ihn das Landgericht Hechingen 1947 wegen des Übergriffs 1933 zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilte, wurde der ehemals einflussreiche Nationalsozialist 1952 zum Bürgermeister von Bittelbronn gewählt, ein Amt das er bis zu seinem Tode 1967 innehatte.

Archivalische Quellen in französischen und deutschen Archiven sowie die Forschungsliteratur umfassend auswertend behandelt Benjamin Pfannes unter dem Titel „Paris an der Donau?“ die Übersiedlung der Vichy-Akteure nach Deutschland und analysiert die Ereignisse in den Rückzugsorten Sigmaringen und Mainau der französischen Kollaborateure im Zeitraum von September 1944 bis April 1945.

Ein Aufsatz von Dr. Edwin Ernst Weber über die Militärstandorte zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart beschließt den Teil der Abhandlungen des aktuellen Bandes. Er begreift die „Entwicklung der Militärlandschaft […] mit ihren wachsenden und schrumpfenden Standorten“ als „Spiegel der deutschen Geschichte mit ihren wechselnden politischen ‚Großwetterlagen‘ und den damit einhergehenden und sich ständig verändernden militärischen Anforderungen.“ Expansionsphasen gab es in wilhelminischer Zeit, im Nationalsozialismus und im Kalten Krieg. Da die Garnisonen Wirtschaftsfaktoren für die umliegenden Städte und Gemeinden waren, bedeuteten Truppenreduzierungen und Standortschließungen zunächst wirtschaftliche Einbußen, längerfristig gesehen bieten gewerbliche, infrastrukturelle, siedlungsmäßige oder kulturelle Weiterentwicklungen neue Chancen und Möglichkeiten.

Im zweiten Teil der Zeitschrift wird auf rund 60 Seiten neues Schrifttum mit Bezug zu Hohenzollern und zur Landesgeschichte vorgestellt.

Die Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte wird vom Hohenzollerischen Geschichtsverein herausgegeben. Schriftleiter sind Dr. Volker Trugenberger, bis zu seiner Pensionierung Leiter der Abteilung Staatsarchiv Sigmaringen im Landesarchiv Baden-Württemberg, und Dr. Andreas Zekorn, bis zu seiner Pensionierung Leiter des Kreisarchivs Zollernalbkreis. Für Mitglieder des Hohenzollerischen Geschichtsvereins ist der Bezug der Zeitschrift im jährlichen Mitgliedsbeitrag von 30 Euro enthalten.

NEUES HEFT DER HOHENZOLLERISCHEN HEIMAT ERSCHIENEN

 

Ein früher Gasballon über Hechingen, ein Flugzeugabsturz bei Boll, die Geschichte der Glashütte bei Wald, die Zuwanderung in die Grafschaft Hechingen und alte Wegeverbindungen zwischen Hechingen und Mössingen sind die Themen des neuen Heftes 3/2022 der Hohenzollerischen Heimat. Die Vierteljahresschrift wird vom Hohenzollerischen Geschichtsverein e.V. herausgegeben und kann per Tel. 0176 8840 6540 (Dienstag 9.00 bis 11.30 Uhr) oder E-Mail anfrage@hohenzollerischer-geschichtsverein.de bestellt werden.

David Hendel, Leiter des Hohenzollerischen Landesmuseums, freut sich über die Schenkung von zwei alten Fotografien aus dem Jahre 1907. Beide Aufnahmen entstanden anlässlich der großen „Jubiläums-Gewerbe-Ausstellung“, die der Hechinger Gewerbeverein zu seinem 50-jährigen Bestehen organisierte, verbunden mit einem landwirtschaftlichen Fest. Hendel schildert unter dem Titel „Ein längst verschollenes Beweisfoto. Der Luftschiffer Paul Spiegel bei der Gewerbeausstellung in Hechingen 1907“ die Einzelheiten der drei Ballon-Auffahrten. Der Gasballon besaß eine Hülle aus „bester Rohseide“ und das Netz bestand aus italienischem Hanf. Der gefüllt 27 Meter hohe Ballon hatte einen Umfang von 27 Metern und fasste 600 Kubikmeter Gas. Dieses spendete das städtische Gaswerk. Die Ballonstarts lockten „eine vieltausendköpfige Menge“ auf den Ausstellungsplatz.

Von Ralf Biesinger erscheint Fortsetzung und Schluss seines Artikels über den Absturz eines kleinen Privatflugzeuges 1969 bei Boll, in dem als prominenter Passagier Konstantin Prinz von Bayern saß. Ein Sachverständiger des Luftfahrt- Bundesamtes suchte nach den Ursachen des Unglücks, die Bergung der Toten und des Wracks gestaltete sich schwierig. Die Arbeiten verrichtete das Technische Hilfswerk Hechingen, unterstützt von einem Bergungstrupp der Firma Messerschmitt. 1970 wurde weit oberhalb der Absturzstelle im Waldteil „Boller Ebene“ ein Gedenkplatz mit drei weißen Kreuzen angelegt.

Teil vier des Aufsatzes „Glashütte – Kinder -Wege -Gefäße“ von Falko Hahn thematisiert das sehr große Schupflehen des Glasinspektors Anton Batsch. Zu diesem Lehen gehörten eine große Haus- und Hofreite mit Garten, dazu noch Wiesen und Äcker mit 57 Hektar. „Der große Rest“ der elf Glasmacherfamilien bearbeitete jeweils rund 1,5 Hektar. Hahn räumt den zur Glashütte gehörenden großen Wäldern in seinem Beitrag großen Raum ein. Hahn vermutet, dass Klosterwald und der Sigmaringer Fürst sich auf den Erhalt der Wälder besannen, und langfristig damit das Ende der Glashütte mit dem enormen Holzbedarf eingeläutet werden sollte.

Friedrich Wollmershäuser leistet mit seinem Beitrag „Zuwanderung in die Grafschaft Hechingen nach dem Dreißigjährigen Krieg“ eine wichtige Grundlagenarbeit. Viele kirchliche Dokumente wurden im Krieg vernichtet, die Herkunftsorte der Zugewanderten lassen sich jedoch anhand der Audienzprotokolle der Grafschaft Hechingen feststellen. Der Autor hat insgesamt 404 Personen aufgelistet, alphabetisch nach Nachnamen geordnet. In diesem 1. Teil des Artikels werden 152 Personen bis zum Buchstaben H veröffentlicht. Der Beitrag ist auch eine Fundgrube für die Familienforschung.

Stefan Wintermantels Aufsatz über „Zollerische Altwege und Wüstungen zwischen Hechingen und Mössingen” wird in dieser Ausgabe fortgesetzt und abgeschlossen. Mögliche Wegführungen auf Hechinger Gebiet lassen sich aus Karten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschließen. Zu den möglichen Wegführungen hat der Autor auch einen Ausschnitt des Merianstiches von 1643 mit Hechingen und Umgebung ausgewertet.

Drei Rezensionen runden das reich bebilderte Heft ab.

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Die Momentaufnahme zu einer der drei Auffahrten des Gasballons in Hechingen mit Luftschiffer Paul Spiegel 1907. (Vorlage: Hohenzollerisches Landesmuseum).

Flugzeugabsturz bei Boll: Die drei Gedenk-Kreuze für die zu Tode gekommenen Flugzeuginsassen im heutigen Zustand. (Foto: Ralf Biesinger)

Wegeverbindungen von und nach Hechingen auf einer Karte aus dem Jahr 1733. (Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen)

BEZUGSPREIS DER ZEITSCHRIFT HOHENZOLLERISCHE HEIMAT

 

Aufgrund gestiegener Kosten muss für Bezieher der Zeitschrift Hohenzollerische Heimat, die nicht Mitglied des Hohenzollerischen Geschichtsvereins sind, der jährliche Bezugspreis ab 1. Januar 2023 auf 15,- Euro erhöht werden.

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